Bruce - der Mann, der immer weiter spielt*

Bruce: Die Springsteen-Biografie - Peter Ames Carlin

Bruce Springsteen - seit Jahrzehnten nur noch "The Boss" genannt - hat ein bewegtes und erfolgreiches Leben hinter sich. Er wäre mit Anfang sechzig im besten Alter in Interviews mit dem Autor des Buches, viel Persönliches zu seiner Biographie "Bruce" beizutragen.

Ich liebe Biographien. Ich lese sie, weil es mich interessiert, zu erfahren, was extrem erfolgreiche Menschen antreibt. Das Buch macht schnell klar: Bruce Musik-Perfektionismus und seine Energie werden gespeist von der Suche nach Anerkennung. Er sucht am Anfang z.B. Anerkennung, die er von seinem Vater zu Hause nicht bekommt. Sein Vater hängt gleichgültig in der Küche ab und unterstützt seine Karriere nicht und erst als Bruce einen Oscar mit nach Hause bringt (bester Filmsong), leistet dieser Abbitte und meint, er werde seinem Sohn nie mehr sagen, was er tun oder nicht tun solle. Ich wünschte mir, in der "Bruce"-Biographie hätte der Autor mehr solche Dinge beleuchtet und wäre etwas weniger in die Analyse seiner Song-Lyrics verfallen (auch wenn Bruce ein begnadeter Textschreiber ist). In der Rückschau kann ich sagen: Ich hatte während des Lesens manchmal das Gefühl, dass "Bruce" in seinen Gesprächen mit dem Autor, diesen bei vielem im Unklaren gelassen hat. Auch wenn man Persönliches erfährt (die letzten 10% des Buches sind hier der stärkste Teil), bleibt die Motivation vieler seiner Lebensentscheidungen im Dunkeln.

Aber genug gemeckert. Das Buch hat zwar Längen, ist aber trotzdem spannend zu lesen. Und an einen schönen Satz wird sich sowohl der Leser als auch der Sänger lange und gerne erinnern. Als Bruce nämlich für Barack Obama anlässlich seiner Amtseinführung spielte, wandte sich der Präsident ans Publikum und meinte:   

"I am the President but he is THE BOSS."

7 von 10 Gitarrensaiten (auch wenn eine Gitarre eigentlich nur 6 hat)

 

* seine Konzerte dauern bis zu vier Stunden